Zwischen ICH und DU, da spielt sich’s ab! (#15)

Was hat Stille Nacht, dass es so viele Menschen auf der ganzen Welt berührt? Eigentümlich, kaum jemand stellt sich diese Frage! Es gehört einfach wie selbstverständlich zu Weihnachten dazu, und das nicht nur im christlichen Kulturkreis. Vielleicht ist es das, weil es das Kind in uns berührt – in allen von uns, egal ob Christen oder Nicht-Christen, ob Japaner, Chinesen, Afrikaner oder Latinos.

Geborgenheit, geliebt werden, sich in sicheren, wärmenden Händen erleben – das ist es doch, was unser Leben ausmacht, oder? Allein bin ich tatsächlich ein Nichts! Wie muss sich Joseph Mohr wohl 1816 in Mariapfarr gefühlt haben – weit weg von seiner trauten Umgebung in der Stadt Salzburg, allein, hin und her gerissen zwischen Treue und Widerstand in der Kirche? Bei wem hätte er sich anlehnen können?

Niedergeschlagen und verzweifelt, da ging zu Weihnachten plötzlich eine Tür auf – ein Du war die Rettung! Ein Kind, hilfsbedürftig, wie er, lächelte ihn an! Alles, was ihn sein Leben lang geplagt hatte, zählte nichts mehr. Sein Ich ist nicht mehr allein, es ist einem ganz zarten Du begegnet, er konnte sich fallen lassen und war sich ganz sicher, dass er in Hände fallen würde, die ihn auffingen, wie ein Kind auf dem Schoß einer Mutter. Joseph Mohrs Freude floss in einen Lobpreis, dem Weihnachtsgedicht Stille Nacht.

Erste Strophe: „… das traute Heilige Paar…“. Intimes Vertrauen, ich bin nicht allein, ich bin Teil einer Familie. „… schlaf´ in himmlischer Ruh!“ So ein zärtliches, vertrautes Du – ein Du, das nicht vom Jenseits kommt! Ein Du, geboren von einer Frau, so wie ich! Das ist es, „was uns der Gnaden Fülle lässt seh´n“ (3. Strophe).

4. Strophe: Du hast uns mit väterlicher Liebe umgossen – als Bruder – als irdischer Jesus, nicht als verklärter Christus aus dem Jenseits! Du umarmst huldvoll die Völker der Welt und hast uns alle zu Brüdern und Schwestern gemacht. Stille Nacht ist kein Lied mit erhobenem Zeigefinger. Es ist einfach ein Lied, das uns Menschen als Geschwister verbindet. Ein Friedenslied!

5. Strophe: „…aus der Väter urgrauer Zeit aller Welt Schonung verhieß“. Wir sind schon immer zum Heil bestimmt, nicht erst durch den Opfertod Jesu am Kreuz. Gott hat schon immer die „Schonung der ganzen Welt“, nicht nur der Christen, versprochen.

6. Strophe: „… Hirten erst, kundgemacht …“ Mach dir nichts draus, wenn du nicht in der ersten Reihe stehst, wenn dich kein Titel ziert, wenn du in der Gesellschaft nur eine Nebenrolle spielst. Du bist der erste Adressat einer Friedensbotschaft, die allen Menschen gilt, du bist einer der ersten, der diese Botschaft auch versteht!

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