Stille Nacht und Sigmund Freud (#24)

Sigmund Freud markiert eine neue Epoche im Umgang mit menschlichen Problemen. Er unterstützt die Menschen, ihre oft verdrängte Vergangenheit ins Bewusstsein zu heben und die Selbstheilungskräfte zu wecken.

Joseph Mohr in Mariapfarr, als junger Priester muss ihm die Einsamkeit schwer zu schaffen gemacht haben. Seine verdrängte Vergangenheit – eine einzige Zerreißprobe. Ich bin mir sicher, da sind alte Wunden aufgebrochen. Wie viele Nächte wird er da wohl durchgeweint haben?

Und kein Psychiater in Sicht! Oder vielleicht doch!? Er fand Befreiung aus den seelischen Qualen und seine Heilung in der Begegnung mit einem Du. Einem Du, das in einer Krippe liegt, hilfsbedürftig wie er. Er sieht das Kind lächeln – „aus göttlichem Mund“, geborgen und geschützt in zärtlicher Liebe.

Die Last der Vergangenheit ist vergessen. Er spürt, dass er wie ein Kind auf dem Schoß seiner Mutter geborgen ist. Sein Gott ist nicht ein strenger Richter im Himmel, sondern ein Bruder, der sein schicksalhaftes Leben teilt. Die Weihnachts-Botschaft heilt Joseph Mohr in Leib und Seele.

Joseph Mohr war Sigmund Freud hundert Jahre voraus. Sigmund Freud hatte die Probleme aus dem verdrängten Unterbewusstsein herausgeholt, hat sie beim Namen genannt, und hat so Menschen geheilt.
Joseph Mohr hat seine verdrängten Probleme in die Hände eines liebenden Vaters gelegt. Es war ein Du, das ihn geheilt hat.

Joseph Mohr hat seine Schmerzen hinter sich lassen können, weil er in seinem Glauben die uneingeschränkte Liebe eines gütigen Vaters fand und sein Schicksal mit einem hilfsbedürftigen Kind als Bruder teilen konnte. Ein hilfsbedürftiges Ich fand ein hilfsbedürftiges Du.

Wallfahrtsorte sind Orte, wo Sorgen, Bitten und Dankbarkeit voller Vertrauen vor ein Heiligtum getragen werden. Mariapfarr und Arnsdorf sind Jahrhunderte alte Wallfahrtsorte. Vielleicht haben die dortigen Begegnungen mit den Pilgern zum Wunder Stille Nacht beigetragen?

Stille Nacht klebt nicht an der Vergangenheit, wie bei Sigmund Freud. Stille Nacht „heilt“ im Jetzt, in der Begegnung mit einem Du. Im Hier begegnen einander Freud und Leid, Lachen und Weinen, Dankbarkeit und Sehnsucht – es ist ein Brennen, ohne zu verbrennen, das ist das Wesen Gottes.

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