Zärtlichkeit ist Leben (#4)

Die Betrachtung der ersten Strophe im letzten Blog entsprach nicht besonders unserer traditionellen lieblichen Sicht, oder?

Schauen wir heute die zweite Strophe an: Die Zärtlichkeit ist LEBEN.

2. Strophe

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn, oh wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt!

Wenn du diese Strophe zu Weihnachten singst, hast du dann das Gefühl, dass es nur ein rührseliger Kitsch sei? Nein?

Siehst du!? Da steckt etwas drin, was dich wirklich echt berührt. Vielleicht ist es ein ähnliches Gefühl, wie wenn du ein kleines Kind berührst, ein ganz kleines junges Leben, in dem so viel Hoffnung steckt und ganz auf Hilfe angewiesen ist? Auch du warst so, ich auch! Irgendwie steckt diese ganz ursprüngliche Lebenskraft noch in uns allen drin, eine Lebenskraft, die aus reiner Zärtlichkeit besteht! nicht?! 

Das junge Leben, das muss auch Joseph Mohr gespürt haben, weil er in dieser Strophe so zärtlich beschreibt, dass die LIEBE Mensch geworden ist – einer wie DU und ICH, aus Fleisch und Blut. Als Kind, das man am liebsten einfach liebkosen möchte. Es ist nicht vom Himmel herabgestiegen, es wurde von einer jungen Frau geboren! GOTT und LIEBE, ist das nicht EINS, wie es auch in der Bibel immer wieder beschrieben wird? Ist die ganz menschliche LIEBE was anderes? Abgespalten? Nein! Für Mohr ist es EINS, er besingt sie so zärtlich!

Was heisst da die rettende Stund? Die Rettung geschieht nicht im Himmel, irgendwo, irgendwie im Jenseits. Das junge Leben, Liebe, ist nicht das die göttliche Rettung! Klingt das für dich häretisch? Lies die Bibel! Dort findest du beeindruckende Zeugnisse, dass Gott und die Liebe zusammengehören – nicht im Jenseits! Nicht theoretisch! Sie gehören ganz zu unserem Leben. (1.Kor. 13)

Passt das zum traditionellen Gottesbild, dass Gott als Herrscher im Himmel thront und von dort aus die Welt regiert, unser Schicksal lenkt und als strenger Richter die Guten belohnt und die Bösen bestraft? Gehörst du noch zu jener Generation, wo man uns das im Religionsunterricht noch felsenfest eingetrichtert hat? Joseph Mohr sieht es anders, er sieht das Jesuskind als kleinen Bruder, und das ist der Sohn Gottes. Er bezeugt es zärtlich und liebevoll! Da ist Joseph Mohr ganz ER selbst – ganz frei. Lass dich weder von Moralpredigern religiös versklaven, noch ins Jenseits vertrösten!

Bist du „katholisch“? Keine Angst! Ich frag dich nicht nach deiner Religionszugehörigkeit!

Weißt du, was „katholisch“ bedeutet? Es heißt: allumfassend. Es umfasst nämlich das ganze Leben, bis in deine Haarspitzen hinein! Ich meine wirklich: DAS LEBEN, nicht eine bestimmte Religion. Auch nicht eine weltumspannende Kirche. Ich meine das ganz konkrete Leben, deines und meines, mit all seinen Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden. Es ist das LEBEN, in dem du auch bei Widerständen und Katastrophen Trost, Urvertrauen und Geborgenheit erfährst! Das ist „katholisch“, nichts anderes. Ob alle „Katholiken“ das auch so sehen? Egal, wichtig ist, dass du und ich das verstehen! DU? ICH? Der Lehrer Franz Xaver Gruber hat den Priester Joseph Mohr „katholisch“ verstanden – daher konnte er das Weihnachtsgedicht Joseph Mohrs in die passende Melodie übersetzen und so viele Menschen auf der ganzen Welt berühren!

Im nächsten Blog betrachten wir die 3. Strophe. Sie enthält eine besonders tröstende Botschaft.

Übersetzung dieses Blogs / Translate thos Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s